Lebenslauf von Imzot Angelo Massafra O.F.M.
S. E. Imzot Angelo Massafra wurde am 23. März 1949 in San Marzano di San Giuseppe (Tarent, Italien) geboren. Am 17. September 1965 empfing er das Ordensgewand der Franziskaner im Orden der Minderen Brüder der Ionisch-Salentinischen Provinz „Mariä Himmelfahrt“; das Noviziat absolvierte er im Heiligtum „Madonna delle Grazie“ in Galatone (Lecce), und an dessen Ende legte er am 2. Oktober 1966 die ersten Gelübde ab.
Nach dem Noviziat in Galatone studierte er Philosophie und Theologie in Lecce (Italien) im Konvent „Sant’Antonio“. Am 13. Oktober 1973 legte er die feierliche Profess auf die Regel des hl. Franziskus ab, und am 21. September des folgenden Jahres wurde er zum Priester geweiht.
In den ersten Jahren seines priesterlichen Dienstes übernahm er verschiedene Aufgaben, die ihm seine Oberen übertrugen: Neben der Begleitung der Brüder und Schwestern des Franziskanischen Säkularordens und der Seelsorge im Gefängnis von Manduria verbreitete er die Zeitschrift „Salento Francescano“ und kümmerte sich um die Berufungspastoral in seiner Provinz. Bevor er Italien verließ, um nach Albanien zu gehen, war er außerdem Leiter der Postulanten und des Postnoviziats. Darüber hinaus wirkte er, treu dem missionarischen Geist, der ihn stets auszeichnete, bei zahlreichen Volksmissionen in verschiedenen italienischen Städten mit.
Die Öffnung der albanischen Grenzen veranlasste ihn, seine Oberen zu bitten, als Missionar nach Albanien gehen zu dürfen. Dort ließ er sich im August 1993 endgültig nieder, nachdem er in den beiden Jahren zuvor bereits einige missionarische Erfahrungen gesammelt und sich auf die Mission vorbereitet hatte.
Seine erste Aufgabe war – neben der seelsorglichen und pfarrlichen Tätigkeit in den christlichen Gemeinden von Troshan und Fishtë – die Ausbildung junger Kandidaten für das franziskanische Ordensleben als „Novizenmeister der wiedererstandenen Provinz der Minderen Brüder in Albanien“ im Konvent von Lezha, bis er am 6. Dezember 1996 zum Bischof der Diözese Rrëshen und zum Apostolischen Administrator von Lezha ernannt wurde. Am 6. Januar 1997 empfing er durch den hl. Johannes Paul II. im Petersdom im Vatikan die Bischofsweihe.
Am 28. Oktober 1997, nach dem Tod des Erzbischofs von Shkodra, Frano Illia, wurde er zum Apostolischen Administrator des Erzbistums Shkodra und der Diözese Sapa ernannt, bis er am 28. März 1998 zum Metropolitan-Erzbischof von Shkodra und Apostolischen Administrator von Sapa ernannt wurde.
Am 20. September 2000 ernannte ihn der Heilige Vater für zwei Amtszeiten von je fünf Jahren zum Mitglied des Päpstlichen Rates „Cor Unum“, dem er bis 2012 angehörte. Außerdem ernannte ihn Papst Johannes Paul II. am 16. Juni 2003 zum Konsultor der Kongregation für die Evangelisierung der Völker; dieses Amt wurde ihm am 2. Juni 2020 von Papst Franziskus erneut übertragen.
Im Jahr 2005, genau am 25. Januar, verfügte der Heilige Stuhl die Vereinigung der Diözese Pult mit dem Metropolitan-Erzbistum Shkodra unter dem neuen Namen Erzbistum Shkodra-Pult; damit wurde Imzot Massafra Erzbischof von Shkodra-Pult.
Von 2000 bis 2006 und von 2012 bis 2018 war er Vorsitzender der Albanischen Bischofskonferenz, an deren Spitze er am 4. Februar 2021 zurückkehrte. Dort widmet er sich besonders den Bereichen Bildung, Sport und Jugendarbeit sowie dem interreligiösen Dialog.
Seit Juni 2017 ist er außerdem Präsident der Caritas Albanien.
Von 2014 bis 2016 war er Vizepräsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen, 2017 übernahm er den Vorsitz der Caritas Albanien, und seit Februar 2018 ist er schließlich Mitglied der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen.
Zu Beginn seines bischöflichen Dienstes galt sein Hauptaugenmerk der Neuordnung der albanischen Kirche: Er schuf die notwendigen Dienste, setzte sich für die Förderung der Berufungen ein, ließ zerstörte Kirchen restaurieren oder neu errichten, um den christlichen Gemeinden würdige heilige Orte zu bieten, und belebte die Hilfstätigkeit, die besonders in den ersten Jahren dringend notwendig war.
Zahlreich sind die karitativen Werke der Kirche und der Ordensgemeinschaften, die während seines bischöflichen Dienstes entstanden sind. Unter ihnen ist das „Friedensdorf“ am Fuß des Berges Tarabosh bei Shkodra zu nennen, das zur Aufnahme der Flüchtlinge des Kosovokrieges von 1999 errichtet wurde. Ihm folgten weitere Initiativen zum Thema Frieden, etwa der jährlich im Januar veranstaltete Tag, den das Diözesanbüro für Gerechtigkeit und Frieden gemeinsam mit der Gemeinschaft Sant’Egidio ausrichtet und an dem auch die orthodoxen Christen und die Muslime im Gebiet des Erzbistums teilnehmen. Er unterstützte zudem das von Frau Silvana Vignali gegründete „Projekt Hoffnung“ (Projekti Shpresa) in Shkodra sowie verschiedene Initiativen für Menschen mit Behinderung, wie die Sommerlager in Velipojë.
Das Anwesen des Erzbistums in Razem, zu dem eine kleine, der hl. Veneranda geweihte Kirche gehört, machte er bewohnbar, um im Sommer Gruppen aufzunehmen, die dort Bildungs- und Erholungszeiten verbringen.
Ebenfalls im Bereich der Nächstenliebe sowie der Gerechtigkeit und des Friedens hat er, treu seinem bischöflichen Wahlspruch, persönlich die Versöhnung vieler Familien unterstützt und ermöglicht, die in Blutrache verstrickt waren.
In diesem Bereich hat er sich besonders engagiert, indem er Begegnungen förderte, den Dialog über Themen von gemeinsamem Interesse anregte und öffentliche Stellungnahmen im Namen aller Religionsgemeinschaften unterstützte, so etwa 2017 anlässlich der Parlamentswahlen im Land. Hervorzuheben ist auch, wie wertvoll die Zusammenarbeit und das gemeinsame Engagement der Religionsführer waren: so am 20. Januar 1998, als es gelang, in Shkodra in einem äußerst heiklen Moment, den Albanien in jenen Jahren durchlebte, den Frieden zu sichern – angesichts der Gefahr eines Bürgerkriegs, der in einen Religionskrieg hätte münden können –, und ebenso während des Kosovokrieges mit gemeinsamen Initiativen, um den Flüchtlingen zu helfen und die Bevölkerung für eine solidarische Aufnahme zu sensibilisieren.
Für all diese Verdienste wurde ihm am 27. Juni 2018 vom Präsidenten der Republik Albanien, Herrn Ilir Meta, der Titel „Mutter Teresa“ verliehen.
Er hat zwei Pastoralbesuche durchgeführt: den ersten in den Jahren 2000–2002, den zweiten in den Jahren 2006–2009. Ein dritter Pastoralbesuch begann im Jahr 2018.
Er hat zwei Veröffentlichungen herausgebracht: „Versöhnt euch mit Gott“ („Pajtohuni me Hyjin“, 2002) über die ersten fünf Jahre seines erzbischöflichen Dienstes in einer heiklen Phase der albanischen Geschichte, und „Gabe und Verpflichtung“ („Dhuratë dhe Angazhim“, 2016), das von der Kirche von Shkodra-Pult im Übergang zwischen den beiden Jahrtausenden nach dem kommunistischen Sturm erzählt.
Vier Hirtenbriefe hat er veröffentlicht: „Der Vater wartet darauf, dass wir ihm entgegengehen“ (1999), „Ich liebe euch alle in Jesus Christus“ (2002), „Was wir geschaut haben … das verkünden wir“ (2006), „Die Freude des Zeugnisses“ (2017).
Persönlich betreute er die diözesane Zeitung „Fjala e Paqes“ und die Zeitschrift „Kumbona e së Dielës“, die zuvor vom verstorbenen Bischof Lucjan Avgustini geleitet worden war, ferner die Leitung und Herausgabe – in albanischer und italienischer Sprache – der von Atë Leonardo DiPinto O.F.M. verfassten Biografien „Vinçenc Prenushi und 37 Gefährten, Märtyrer des 20. Jahrhunderts“, die seit dem 5. November 2016 selig sind; außerdem war er Vorsitzender des kirchlichen Gerichts im Seligsprechungsverfahren der 40 Diener Gottes – der albanischen Märtyrer –, die während der kommunistischen Diktatur getötet wurden; das Verfahren begann am 10. November 2002 und wurde am 8. Dezember 2010 abgeschlossen.
Er sorgte für die Veröffentlichung verschiedener kirchlicher Dokumente in albanischer Sprache, darunter das „Kompendium der Soziallehre der Kirche“, die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils und die päpstlichen Enzykliken der letzten Zeit, um sie unter den Katholiken bekannt zu machen und zu verbreiten. Auch die jährliche Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag wird übersetzt und verbreitet, besonders unter den Politikern des Landes und den Religionsführern.
Sein kulturelles Engagement beschränkt sich nicht auf Veröffentlichungen: Er war auch ein Förderer von Radio Maria in Albanien. Er war Berater mehrerer Dokumentarfilme über Gjon Buzuku, Frang Bardhi, Pjetër Bogdani und andere. Darüber hinaus gelang es ihm, den Bau des Diözesanmuseums Shkodra-Pult zu vollenden, das am 2. Juli 2016 eröffnet wurde: ein langwieriges, sorgfältig betreutes Projekt mit Sammlungen von Fundstücken der albanischen katholischen Tradition aus alter und jüngerer Zeit, darunter solche aus der kommunistischen Zeit, die der Zerstörung und dem Raub durch den Diktator entrissen und der katholischen Kirche zurückgegeben wurden.