Imzot Ernest Çoba wurde am 16. Februar 1912 in einer alteingesessenen Bürgerfamilie von Shkodra geboren. Grundschule und Gymnasium absolvierte er im Päpstlichen Seminar. Am 9. Februar 1936 wurde er zum Priester geweiht. Er übte verschiedene Aufgaben am Päpstlichen Seminar aus, in dem er ausgebildet worden war, und war auch Religionslehrer an den Schulen der Stadt. Nach dem Tod von Imzot Gaspër Thaçi und der Verhaftung von Dom Mikel Koliqi war er zugleich Pfarrvikar und Pfarrer von Shkodra. Er gehörte zu den Bischöfen, die in der kritischsten Zeit für die Kirche geweiht wurden, als man versuchte, sie vom Heiligen Stuhl abzutrennen. Der einzige Bischof, der noch lebte und nicht in Ketten lag, Imzot Bernardin Shllaku, weihte Imzot Ernest Çoba am 20. April 1952 gemeinsam mit dem Bischof von Durrës, Imzot Pjetër Dema, zum Bischof.
Er trug die roten liturgischen Gewänder (Paramente) in einer Zeit, in der diese Farbe das Blut seiner Mitbrüder symbolisierte, das in öden Schluchten verschwenderisch für Glauben und Vaterland vergossen wurde. Er übernahm eine Sendung, die der Sendung der ersten Bischöfe der Christenheit sehr ähnlich war, die das Rot ihres Gewandes oft noch kräftiger färbten mit dem Blut, das sie in den Amphitheatern vergossen, um Christus und seinem Stellvertreter auf Erden, dem Papst in Rom, treu zu bleiben. Kurz nach seiner Weihe starb Imzot Shllaku. Die Diözese Shkodra, die nach der Trennung von der Diözese Antivari fünf große Bischöfe gehabt hatte – Imzot Karl Pooten, Pashko Guerini, Jak Serreqi, Lazër Mjeda und Gaspër Thaçi –, blieb in den Händen des sanften, gütigen Bischofs, eines lebendigen Sinnbilds christlicher Liebe: Imzot Ernest Çoba.
So beschreibt ihn Imzot Zef Simoni, nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur Weihbischof von Shkodra, in seinem Buch „Portrete klerikësh katolikë“:
„Imzot Ernest Çoba war von kleinem Wuchs, mit lebhaften Augen, die halb hinter einer dunklen Brille verborgen waren, wenn er in der Kirche oder im Büro Dienst tat. Er hatte gute Eigenschaften: Er war demütig, bescheiden, ruhig, besonnen und unermüdlich im Dienst, selbst in Aufgaben, die ihm als Bischof nicht zukamen. Jeden Tag, nachdem er um 6 Uhr die Messe gefeiert hatte, fand man den Monsignore am Bett der Kranken der Stadt, in den Hütten, wohin er die heiligen Sakramente brachte, oder unter den Kindern in den großen Katechismusstunden, wenn die große Kirche von Kinderstimmen widerhallte. Dadurch gewann er große Beliebtheit und Zuneigung, besonders unter den Armen.
Er leitete die Vereinigung der Kleinen Kreuzfahrer bei den Jesuitenpatres, beherrschte drei Fremdsprachen, war Fachmann für Moraltheologie und die Glaubensfächer und nicht zuletzt ein in Glaubensfragen und Liturgie erfahrener Seelsorger. Am Zweiten Vatikanischen Konzil konnte er nicht teilnehmen, doch mit Weitblick ließ er den Geist des Konzils in das ganze Leben der Kirche eindringen. Er hatte den Mut, eine Gruppe von Anwärtern auf das Priestertum zu sammeln und sieben von ihnen zu weihen, ebenso wie den Mut, unter Nutzung aller möglichen Mittel und Wege enge Verbindungen zum Heiligen Stuhl zu unterhalten.“
Am Vorabend der Schließung der Kirchen, an einem bitteren Sonntag, als er vom kommunistischen Regime vorgeladen worden war, um angeklagt zu werden, wurde Imzot Ernest Çoba selbst zum Ankläger: In einer feurigen Rede, die einer Predigt glich, verteidigte er den angegriffenen Gott und die Kirchen, denen die große Zerstörung bevorstand. Doch nicht viel später wurden die Türen der Kirchen und der anderen Gotteshäuser geschlossen. Imzot Ernest Çoba musste daraufhin zu seiner Familie zurückkehren. Aus seinem Elternhaus wurde er in Ketten abgeführt. Es war das Jahr 1976. Das kommunistische Gericht verurteilte ihn zu 25 Jahren Haft, als wäre er der größte Verbrecher. Man warf ihm vor, über die italienische Gesandtschaft Verbindungen zum Heiligen Stuhl unterhalten zu haben.
Er litt mit unvergleichlicher Geduld, einzig darauf bedacht, Christus auf Golgota so ähnlich wie möglich zu werden, bis er am 8. Januar 1980 im Gefängniskrankenhaus in Tirana starb. Es war ein rätselhafter Tod, wie Imzot Simoni in dem genannten Buch bezeugt. Er schloss die Augen nach einer Injektion, die ihm in den ersten Januartagen 1980 verabreicht worden war, wenige Tage vor dem Gedenktag des hl. Ernst. Über ihn ist mehrfach geschrieben worden, doch bisher gab es keine ernsthaften Bemühungen, die Zeugnisse über seine heldenhafte Haltung und sein Ende zu sammeln.
(nach Vatican News)